Wie jedes Jahr, seit 2008, veröffentlichte auch in diesem November das Trans Murder Monitoring Project von transrespect.org die Zahlen der ermordeten Transsexuellen Menschen weltweit für das Jahr 2021.

Seit Januar 2008 sammelt das Trans Murder Monitoring Project diese Zahlen, aufgeschlüsselt nach Kontinent und Land und seit 2008 steigen diese Zahlen kontinuierlich.

Demnach wurden im Zeitraum vom 01. September 2020 bis zum 30. Oktober 2021 insgesamt 375 geschlechtsvariante (transsexuelle) Menschen weltweit gefoltert, vergewaltigt, ermordet und in den Müll geworfen! Das ist, im Vergleich zum Vorjahr, ein erneuter Anstieg von 7 Prozent!

Laut dem TMM Project fanden die meisten Morde in den Ländern Brasilien (125 Morde), Mexiko (65 Morde), USA (53 Morde), Honduras (53 Morde) statt. In Europa wurden in diesem Zeitraum der letzten 12 Monate, insgesamt 14 Menschen ermordet, drei mehr als letztes Jahr!

Die Daten des TMM Project zeigen, dass

  • Die Fälle aus Griechenland, Kasachstan und Malawi seit 2008 zum ersten Mal berichtet wurden
  • 96% der ermordeten Menschen trans feminine Menschen, also transsexuelle Frauen waren.
  • 58% der ermordeten Menschen Sexarbeiter*innen waren.
  • Die Zahl der Morde in den USA sich seit letztem Jahr verdoppelt hat.
  • 89% der 53 Morde in den USA an People of Color verübt worden sind.
  • 43% der ermordeten Menschen in Europa Migranten waren.
  • 36% der Morde auf offener Straße stattfanden, 24% in den eigenen vier Wänden
  • Die jüngste, ermordete Person 13 Jahre, die älteste 68 Jahre alt war und der Durchschnitt bei 30 Jahren lag.

Nach wie vor steigt die Zahl der weltweit ermordeten transsexuellen Menschen jedes Jahr! Hatten wir im Jahr 2008 noch rund 150 ermordete transsexuelle Menschen weltweit, so waren es im Jahr 2020 insgesamt 350 und in den letzten 12 Monaten insgesamt 375 transsexuelle Menschen, die erschlagen, ermordet, gefoltert, zu Tode geprügelt wurden! Es wird endlich Zeit, dass diese Zahl rückläufig wird!

Transsexuelle Menschen werden auch in Deutschland immer noch ignoriert, diskriminiert, stigmatisiert und psychopathologisiert! Wir werden wie Vieh, das zum Verkauf steht, zwangsbegutachtet und fremdbestimmt! Wir werden vor die U-Bahn gestoßen, mit dem Messer oder der Pistole bedroht, zusammen geschlagen oder sogar ermordet – auch in Deutschland!

Wie weit ist es in Deutschland gekommen, dass wir Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung um unsere Gleichheit, unsere Freiheit, unsere Gesundheit und um unser Leben fürchten müssen? Ist das der Sinn unseres Grundgesetzes? Dass manche Menschen nun mal gleicher und andere ungleicher behandelt werden? Es ist endlich an der Zeit, dass sich etwas ändert!

Der Anfang ist getan. Mit Nylke Slawik und Tessa Ganserer haben wir nun endlich zwei transsexuelle Frauen im Bundestag, die sich für uns und unsere Rechte einsetzen und dafür kämpfen, dass diese Stigmatisierung und Fremdbestimmung endlich ein Ende hat.

Trotzdem, es gibt immer noch sehr viel zu tun.

Seit 1981 gibt es das Transsexuellengesetz (TSG). Und trotz dem es vom Bundesverfassungsgericht durch zahlreiche Urteile zu weiten Teilen als verfassungswidrig erklärt wurde, gibt es das Transsexuellengesetz immer noch!

30 Jahre – bis 2011 – hat es gebraucht, bis das bisher letzte Urteil des Bundesverfassungsgerichts die Zwangssterilisation beziehungsweise Zwangskastration abgeschafft hat, die bis dato zur Personenstandsänderung, also zum Ändern des Geschlechtseintrages, notwendig war!

Seit dem steht dieses menschenverachtende und vor allem menschenrechtsverletzende Nebengesetz zwischen uns Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung und den Menschen, die uns, aufgrund dieses zwangs- und fremdbestimmenden Gesetzes, als Perverse, als Kranke, als Psychopathen, als Freaks, als Randgruppe oder als Minderheit ansehen.

Wir von mut setzen uns dafür ein, dass diese Missstände endlich beseitigt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass transsexuelle Menschen endlich die Gleichbehandlung bekommen, die im Grundgesetz steht.

Wir fordern:

  • Abschaffung des Transsexuellengesetzes
  • Anpassung von § 45b PStG in Hinblick auf Transsexuelle Menschen sowie Offenbarungsverbot, um Fremdbestimmung und Zwangsbegutachtung zu unterbinden.
  • Abschaffung der Gatekeeper (Psychologische oder Psychiatrische Begutachtung) für die, für transsexuelle Menschen, lebensnotwendigen medizinischen Maßnahmen
  • Abstammungsrecht und Adoptionsrecht modernisieren, um Regenbogenfamilien zu stärken.
  • Vielfalt über eine inklusive Sprache sichtbar machen
  • Gewalttaten gegen LGBTIQ* Bundesland abhängig und bundesweit statistisch erfassen, Hassverbrechen ahnden
  • Bundesweiten Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie auflegen
  • Diskriminierungsfreie Blutspende, ohne Offenlegung von sexueller Orientierung, sexuellen Praktiken oder geschlechtlicher Varianten.
  • Beratungsangebote von der/für die Regenbogen-Community ausbauen
  • Förderung der Beiträge von LGBTIQ* zur Kultur
  • Ehrenamtliche Strukturen und Selbsthilfe fördern – ideell wie finanziell
  • Gesellschaftliche Vielfalt bei der Besetzung von Gremien beachten, z.B. im Rundfunkrat oder in Ausschüssen in Stadt und Land etc.
  • Landesaktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ langfristig absichern und Maßnahmen gegen Diskriminierung konsequent umsetzen
  • Lebensrealitäten in Bildungsplänen verankern, Bestehendes fortschreiben und Bildungsarbeit mit Jugendlichen fördern
  • Lehrkräfte im wertschätzenden Umgang mit Vielfalt sensibilisieren
  • Aufarbeitung der Verfolgungs-/Emanzipationsgeschichte, besonders mit Blick auf lesbische und bisexuelle Frauen sowie transsexuelle und intersexuelle Menschen
  • Den vom Europaparlament beschlossenen Lunacek-Bericht zur Bekämpfung von Homo-/Transphobie gegen Diskriminierung umsetzen
  • Eindeutige Regelungen für „sichere Herkunftsländer“ mit Blick auf LGBTIQ*-Geflüchtete unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse bei Unterbringung und Betreuung
  • Für die weltweite Wahrung der Menschenrechte in internationalen Beziehungen sowie in der Entwicklungshilfe eintreten

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