Ein Lebenszeichen

Puh… ja, lange ist es her, seitdem ich hier das letzte Mal etwas geschrieben habe. Es war der Artikel über “Verallgemeinerungen, Selbsthilfe und Aktivismus”. Und… Ohje… hat der reingehauen… Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass mich etwas so aus der Bahn werfen könnte, wie diese Geschichte. Aber warum? War ich so dermaßen von mir selbst überzeugt, dass ich dachte, nichts könnte mich so erschüttern?

Ich dachte immer, ich wäre eine starke Frau. Ja, das dachte ich von mir selbst und ja, es wurde mir auch immer und immer wieder von allen Seiten gesagt.  Aber um ehrlich zu sein, so stark bin ich gar nicht. Sonst hätte ich nach dieser Geschichte einfach weitergemacht und mich nicht aufhalten lassen.

Stattdessen hat mir das regelrecht den Boden unter den Füßen weggerissen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Zeit meines Lebens und vor allem auch seit Beginn meiner Transition, habe ich mich für meine Mitmenschen eingesetzt. Ich habe gekämpft wie eine Löwin für die Rechte aller Menschen. Ich habe gekämpft gegen Rassismus und gegen Transfeindlichkeit. Ich habe demonstriert, Fahnen und Transparente geschwenkt, ich habe für Malte C. gekämpft und als Einzige auf dem ganzen Trans* Pride in Stuttgart damals sein Bild hochgehalten! Und ja, davon gibt es Bilder und Berichte, das ist nachweisbar. Ich habe Vorträge gehalten, Selbsthilfegruppen aufgebaut und geleitet, trans* Menschen beraten und begleitet, an Kliniken unterrichtet. Viele Jahre lang.

Und dann kommt da plötzlich ein langjähriger Freund, dem ich ebenfalls auf seinem Weg geholfen habe, ihn begleitet habe, und sagt, ich würde Rassismus und die Privilegien weißer Menschen ignorieren, andere Menschen seien mir unwichtig und weiße trans Frauen seien eben nur weiße Frauen, die ihre eigenen Privilegien nicht erkennen wollen und sich nur auf ihrer Diskriminierung ausruhen wollen.

Peng… das saß. Normalerweise hätte ich darüber hinweg gelächelt und einfach weiter gemacht. Aber in diesem Fall hat mich das völlig aus der Bahn geworfen. Ich habe alles fallen lassen. Meine Selbsthilfegruppen, meinen Aktivismus, meine Lust anderen zu helfen. Alles war auf einmal weg. Ich habe mich komplett zurückgezogen und eingeigelt.

Das ist der Grund, warum es so lange still um mich war. Und ich frage mich immer noch: Wieso hat mich das so tief getroffen? Weil es ein Freund war? Oder weil ich zu sehr von mir selbst überzeugt war? Ich weiss es bis heute nicht.

Ich bin gerade dabei mich wieder aufzurappeln und wieder aufzustehen, die Krone zu richten und zu sagen: “Hey Prinzesschen, steh auf, lächle und mach weiter!”

Wann und ob es wieder echten Aktivismus von mir geben wird, ich weiss es nicht. Aktuell fehlt mir der Antrieb.

Aber ich werde mich melden, wenn es etwas Neues gibt.

Eure Christin

Comments

No Comments

Write comment

* These fields are required