Ehrenamt
Den Kern meines sozialen Engagements bildet die VDGE e.V. (Vereinigung von Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung e.V.), ein Verein, den ich gegründet habe und dem ich seitdem als Vorsitzende vorstehe. Diese Arbeit ist tief in meiner eigenen Erfahrung verwurzelt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, diesen Weg ohne Unterstützung gehen zu müssen, und ich möchte, dass das für andere anders ist.
Angefangen hat es 2016 mit der "Trans* SHG Hegau" in Radolfzell am Bodensee, damals die einzige Selbsthilfegruppe für trans* Menschen im gesamten Bodensee- und Schwarzwaldraum. Von Anfang an kamen bis zu 25 Menschen zu jedem Treffen. Das hat mir gezeigt, wie groß der Bedarf an solchen Angeboten wirklich ist.
Der Erfolg machte eine Erweiterung nötig. Wir öffneten eine weitere Gruppe in Villingen im Schwarzwald. Mit dieser geografischen Ausdehnung passte der alte Name nicht mehr. Deshalb habe ich 2021 die VDGE e.V. gegründet, als Dachorganisation für alle bestehenden und zukünftigen Gruppen.
Als Vorsitzende kümmere ich mich um die Organisation des Vereins, koordiniere die Selbsthilfegruppen und sorge für eine verlässliche Betreuung der Menschen, die zu uns kommen. Anfangs habe ich drei Gruppen selbst geleitet. Heute führe ich eine in Sulz am Neckar, damit Kapazitäten für andere wichtige Vereinsaufgaben bleiben.
Neben den Gruppen berate ich auch individuell. Ich begleite trans* und inter* Menschen bei rechtlichen Fragen, beim Weg der Transition und in Krisensituationen. Die eigene Erfahrung macht mich dabei zu einer Ansprechpartnerin, die versteht, wovon sie spricht.
Was mich antreibt, ist einfach: Niemand sollte diesen Weg so allein gehen müssen, wie ich es damals musste.
Politik
Mein politisches Engagement wurzelt in meinen eigenen Erfahrungen als Frau mit transgeschlechtlicher Vergangenheit. Ich kenne soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Feindseligkeit nicht nur aus Berichten. Ich habe sie erlebt. Das ist der Grund, warum mir die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung queerer Menschen nicht egal ist.
2020 habe ich für das Amt der Oberbürgermeisterin von Konstanz kandidiert. Kurz vor der Wahl habe ich meine Kandidatur zurückgezogen, weil ein erfahrenerer Kandidat mit sehr ähnlichem Programm ins Rennen eintrat. Ich wollte nicht riskieren, dass wir uns gegenseitig die Stimmen wegnehmen.
Von Oktober 2021 bis Februar 2025 war ich Mitglied im Bundesvorstand der Partei mut, als frauen- und queerpolitische Sprecherin. Ich habe mich für die Rechte von Frauen und queeren Menschen eingesetzt und dabei auch die Webpräsenz und die technische Infrastruktur der Partei betreut. Diese Arbeit führe ich auch nach meinem Parteiaustritt im Februar 2025 noch weiter.
Ich bezeichne mich als Antifaschistin. Der Rechtsruck in Deutschland macht mir Sorgen, besonders für Menschen in marginalisierten Gruppen. Ich versuche, dort, wo ich kann, dagegen einzuwirken.
Aktuell suche ich nach neuen politischen Wegen. Die Partei mut habe ich verlassen, aber mein Engagement für eine Gesellschaft, in der die Würde und die Rechte aller Menschen geachtet werden, bleibt.
Sichtbarkeit und Aufklärung
Als Aktivistin und Feministin setze ich mich vor allem für die Rechte von trans* und inter* Personen ein. Ich tue das aus persönlicher Erfahrung: Diskriminierung, Hass und die gesellschaftliche Unsichtbarmachung von trans* Menschen sind keine abstrakten Phänomene für mich. Ich kenne sie.
Ein großer Teil meiner aktivistischen Arbeit besteht aus Bildung und Aufklärung. Ich halte Vorträge an Schulen, Universitäten und sozialen Einrichtungen. An zwei großen Kliniken bin ich fester Bestandteil des Lehrplans, zweimal im Jahr spreche ich dort mit angehenden Pflegekräften zum Thema "LGBT in der Pflege".
Ich versuche außerdem, in den Medien präsent zu sein. Nicht weil ich Aufmerksamkeit brauche, sondern weil Sichtbarkeit politisch wichtig ist. Ich war in einer mehrstündigen Dokumentation auf VOX, in der Talkshow "Britt" auf Sat.1 und in der Barbara-Karlich-Show im ORF. Dazu kommen regelmäßige Berichte in regionalen Zeitungen.
Im Oktober 2018 haben Michelle und ich als erstes gleichgeschlechtliches und transgeschlechtliches Ehepaar in Baden-Württemberg geheiratet. Die mediale Aufmerksamkeit war uns bewusst, und wir haben sie genutzt, um ein Zeichen zu setzen.
Feminismus ist für mich kein Nebenprojekt. Echte Gleichstellung für alle Frauen, Kampf gegen verbale und körperliche Gewalt: das gehört für mich zusammen mit dem Einsatz für queere Rechte.