
Antifa? Ja, bitte. Und danke für die Einordnung.
Warum jeder, der „Antifa" als Schimpfwort benutzt, gerade laut und öffentlich seine eigene Gesinnung verrät.
Es gibt Beleidigungen, die so dumm sind, dass man kurz innehalten muss. Nicht aus Betroffenheit, sondern aus blankem Staunen. Das Wort „Antifa", von Freunden, am Stammtisch, in der Talkshow, auf der Demo, empört herausgeschleudert wie ein Fluch, gehört in genau diese Kategorie. Es ist der sprachliche Äquivalent zu jemandem, der stolz verkündet, er sei gegen Feuerwehren, und dann erwartet, dass alle empört nicken.
Schauen wir uns das gemeinsam an. Ganz in Ruhe. Buchstabe für Buchstabe.
„Anti" kommt aus dem Griechischen und bedeutet: gegen. „Fa" steht für Faschismus. Antifaschismus bedeutet also: gegen Faschismus sein. Das ist der gesamte Inhalt. Kein Geheimbund, keine Mitgliederausweise, kein Hauptquartier, kein Anführer mit Kapuze. Nur eine denkbar einfache politische Haltung: Faschismus? Nein, danke.
Und genau diese Haltung, diese absolut minimale, in den Grundrechten verankerte, historisch durch Millionen Todesopfer des Faschismus mehr als begründete Haltung, wird aktuell überall auf der Welt, sei es im Weissen Haus, am Rednerpult im Bundestag, am Stammtisch, in der Talkshow, auf einer Demo, als Schimpfwort gerufen.
Man muss das sacken lassen.
Die Logik, die sich selbst entlarvt
Es gibt eine Gleichung, die so simpel ist, dass sie eigentlich in keinem Artikel stehen müsste. Und dennoch scheint sie vielen Menschen hartnäckig zu entgehen:
Wer gegen Antifaschismus ist, ist für Faschismus.
Das ist kein rhetorischer Trick. Das ist kein linkes Framing. Das ist ein vollständig geschlossenes logisches Argument, aus dem es keinen Ausweg gibt. Wer sagt, die Antifa sei das Problem, wer mit dem Finger auf Gegendemonstranten zeigt und sie mit diesem Wort zu beschämen versucht –, der hat in diesem Moment laut und öffentlich erklärt, auf welcher Seite er steht. Nicht auf der Seite derer, die Faschismus bekämpfen. Auf der anderen.
Und hier, genau hier, gibt es keine Grauzone. Keine wohlmeinende Enthaltung, keine vornehme Zurückhaltung, kein weiches „ich sehe das differenzierter". Faschismus ist kein Meinungsspektrum. Er ist kein Lifestyle-Konzept, das man sich irgendwo zwischen „überzeugend" und „nicht ganz meins" einordnen kann. Wer sich über diejenigen aufregt, die ihm entgegenstehen, und nicht über ihn selbst –, hat seine Prioritäten glasklarer kommuniziert als jede Wahlbroschüre es je könnte.
Das älteste Feigenblatt der Republik
Doch da ist noch etwas. Ein Satz, der sich durch die politische Debatte dieses Landes zieht wie ein schlechter Geruch durch einen schlecht gelüfteten Raum. Ein Satz, der in seiner feigen Konstruktion so vorhersehbar ist, dass man ihn bereits beim dritten Wort zu Ende sprechen kann:
„Ich bin ja kein Nazi, aber…"
Haltet kurz inne. Spürt ihr es? Dieses „aber"? Es ist das wichtigste Wort im Satz, und gleichzeitig das einzig Ehrliche. Alles, was davor kommt, ist Dekoration. Alles, was danach kommt, ist der eigentliche Inhalt. Das Dementi ist die Verpackung. Die Aussage dahinter ist das Produkt.
„Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber die kommen doch nur wegen der Sozialleistungen." „Ich bin ja kein Rassist, aber man wird ja wohl noch sagen dürfen, was man denkt." „Ich finde Gewalt falsch, aber was die da links treiben, ist genauso schlimm.", „Ich habe ja nichts gegen Migranten, aber die müssen beim Arzt viel weniger warten, als wir.“, „Ich habe ja nichts gegen die Ukrainer, aber wie kann der sich hier einen BMW leisten?“
Dieses Muster hat einen Namen, auch wenn seine Benutzer ihn nicht kennen: Es ist die Selbstanzeige mit anschließender Bitte um Straffreiheit. Man spricht sich frei, bevor man die Tat begeht, in der Hoffnung, dass der Freispruch die Tat unsichtbar macht. Das funktioniert nicht. Das hat noch nie funktioniert. Und wer diesen Mechanismus einmal durchschaut hat, hört ihn überall. In Talkshows, in Kommentarspalten, auf Demonstrationen, beim Weihnachtsessen.
Das „aber" lügt nicht. Es zeigt immer die Wahrheit.
Was das Schimpfwort verrät
Zurück zum Anfang, zurück zu dem ausgestreckten Zeigefinger und der empörten Aussage: „Das sind diese sch**** Antifa!"
Was hat dieser Mensch gerade gesagt? Er hat gesagt: Ich halte es für ein Problem, dass jemand gegen Faschismus ist. Er hat gesagt: In meiner Weltanschauung ist der Gegner des Faschismus das eigentliche Ärgernis. Er hat gesagt: Meine Empörung gilt nicht dem Faschismus, sie gilt denen, die sich ihm entgegenstellen.
Das ist keine Meinung, über die man ergebnisoffen diskutieren könnte. Das ist eine Positionierung. Laut, öffentlich und selbst gewählt.
Wer „Antifa" als Beleidigung benutzt, schreibt sich damit in eine Geschichte ein, die nicht gut endet. Eine Geschichte, die Europa bereits einmal in Schutt und Asche gelegt hat. Eine Geschichte, deren Lehre so eindeutig ist, dass sie in den Grundgesetzkommentaren, in den Gedenkstätten, in den Schulbüchern steht, und dennoch offenbar von manchen als Einladung missverstanden wird.
Ein letztes Wort
Also ja. Antifa. Das bin ich. Das sind viele. Das sollten alle sein, denen die Würde des Menschen tatsächlich unantastbar ist, nicht nur als Verfassungstext, sondern als gelebte Überzeugung.
Und wer das als Schimpfwort meint: Danke. Ihr habt gerade selbst erklärt, wer ihr seid.
Schöner hätten wir es nicht sagen können.
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